Gehen.

Ich trete aus dem Hölderlinturm hinaus und gehe Richtung Neckarbrücke.

Der Weg ist eng.
Links die Fachwerkhäuser, rechts die Mauer zum Neckar.

Der Nebel steigt.

In der Ferne sehe ich jemanden auf mich zukommen.

Ich werde langsamer.

Die Gestalt kommt näher, wird größer.
Ein Mann, gebückt, mit rundem Rücken, in einem geblümten Damastschlafrock, mit Hauspantoffeln an den Füßen.

Der Weg ist zu eng für uns beide.

Hölderlin bleibt stehen.

Ich bleibe stehen.

Er verbeugt sich.
Mehrere Male im Takt zu meiner Begrüßung, mit einer heißeren, etwas hohlen Stimme:

„Eure Exzellenz.
Welch außerordentliche Ehre,
welch hohe Gnade,
dass Eure Durchlaucht,
mir einen Besuch abstattet.“

Ich senke zur Begrüßung leicht den Kopf und frage nach seinem Befinden.

Er macht wieder eine Verbeugung.

Ich zögere und trete schließlich auf dem engen Pfad einen Schritt beiseite.

Hölderlin verbeugt sich wieder und geht an mir vorbei.

Ich atme ein. Der Geruch von Medizin.

Ich folge ihm.

Mit gewaltigen Schritten geht er auf das Haus zu, bleibt immer wieder stehen, dreht sich von rechts nach links.

Ich trete vorsichtig näher:

„Kann ich helfen?“

Er blickt über die Schulter zu mir zurück.

„Ich höre mich gehen. Also weiß ich, dass ich noch auf der Welt bin.“

Hölderlin geht weiter, in seinem Rhythmus, mit schnellen und kräftigen Schritten.

Ich bleibe zurück.

Der Nebel lichtet sich.

Ich drehe mich um und gehe weiter.

Der Kies knirscht.