In Calvi läuft mir auf dem Gehweg das Regenwasser in Rinnsalen entgegen. Neben mir stauen sich die Autos bis zum Kreisverkehr.
Am Kreisverkehr angekommen, quere ich die Straße. Ich bleibe stehen. Auf der blumigen Verkehrsinsel schaut mir eine stolze Frau entgegen.
Ich trete näher.
Eine lange Robe umhüllt ihren Körper. Ein Kopftuch bedeckt das Haar. Eine Hand in die Hüfte gestemmt, balanciert sie mit der anderen einen großen Behälter auf dem Kopf.
Ich blicke mich um. Ich finde kein Schild, keine Erklärung.
Ich gehe weiter.
Ein paar Tage später in Corte treffe ich sie wieder.
Ich schlendere durch das Museum. An einer Wand hängen alte Fotografien. Das korsische Leben.
Und da ist sie.
Eine junge Frau mit einem großen Behälter auf dem Kopf.
Und noch eine.
Drei Frauen nebeneinander, die Hände in die Hüften gestemmt.
Frauen vor ihren Häusern.
Frauen auf den Straßen.
Frauen am Brunnen.
Sie schöpfen Wasser. Zum Trinken, zum Kochen, zum Waschen.
Sie stehen zusammen, erzählen, lachen, tauschen Neuigkeiten aus. Von ihren Kindern, den Männern, den Nachbarn.
Eine verabschiedet sich, hebt ihren Krug auf den Kopf und geht nach Hause.
Schon bald wird sie wiederkommen.
Mehrmals täglich,
Tag für Tag,
Jahr für Jahr.