Das Wasser rauscht.
Der Aletschgletscher zieht sich durch das Tal. Geröll und Eis, eine grauweiße Zunge, die in der Ferne eine Biegung macht. Dahinter erheben sich Jungfrau und Mönch, leicht von Wolken verhüllt.
Von Stein zu Stein folge ich dem Eis, bis der Weg zum Märjelensee abzweigt. Mehr Tümpel und Moor als See.
Ich setze mich auf einen Stein.
Im Tal ist das Gras strohig gelb, hier oben noch grün. Das Wollgras steht im Wasser. Weiße Köpfchen, wie kleine Wattebäusche, wiegen sich im Wind.
Eine Wolkendecke zieht heran.
Nebel steigt auf. Die Köpfchen vertrocknen und gehen ein.
Das Wasser steigt.
Aus Tümpel wird Teich, wird See.
Aus Wasser wird Eis.
Das Eis steigt und steigt in die Höhe, eine Wand, bis die Wolken sie verschlucken. Eisberge brechen aus ihr heraus und treiben im See über das Wasser auf mich zu.
Zwei Männer kommen langsam über das Eis. Der Bergführer voran, gefolgt von einem jungen, großen und hageren Mann mit Rauschebart am Kinn.
Sie diskutieren.
Der Hagere zieht seinen schweren Mantel und sein Hemd aus, legt Stock und Hut beiseite.
Der Bergführer schüttelt den Kopf.
„John Tyndall! Das tun Sie nicht!“
Der Hagere winkt ab.
Vorsichtig tastet er sich an die Abbruchkante heran. Er setzt einen Fuß auf einen nahen, schwimmenden Eisberg. Dann den zweiten.
Der Eisberg kippt.
Der Mann fällt.
Er steigt aus dem kalten Wasser. Klettert auf einen anderen Eisberg. Und fällt wieder hinein. Prustend schleppt er sich aus dem Wasser.
Der Bergführer wickelt ihn in seinen Mantel und schimpft.
Plötzlich ertönt das Rauschen eines Wasserfalls.
Der Bergführer zeigt auf einen Eisberg.
Der Eisberg bewegt sich. Wasser stürzt von seinen Seiten. Er hebt sich, schwankt und dreht sich langsam im Wasser. Seine weiße Oberfläche verschwindet; ein leuchtendes Blau tritt hervor.
Wir schauen.
Der Bergführer. John Tyndall. Ich.
Die Sonne bricht durch die Wolkendecke.
Wir schauen auf das Blau, bis es im Sonnenlicht langsam zu Weiß wird.
Das Eis schmilzt. Das Wasser versiegt. Aus Weiß wird Grün. Die weißen Köpfchen des Wollgrases tanzen wieder im Wind.
Ich stehe auf.
Im Märjelensee spiegelt sich der Himmel.
Blau.