Everett Ruess-Zyklus

I. Am Meer

„Gestern war es schön“, schreibt Everett, ein junger Reisender, an seine Mutter.

Früh am Morgen erwacht er allein unter den Kiefern. Los Angeles ist weit weg. Er wandert den Strand entlang. Muscheln, Seetang und Seesterne sind seine Begleiter.

Er sitzt auf einem Felsen draußen im Meer und sieht hinaus – bis eine Welle ihn trifft.

Ich lese seine Zeilen und sehe nicht mehr nur die Geschichte. Ich sehe einen jungen Menschen am Rand des Ozeans. Noch bevor sein Name zu einem Mythos wurde, war er einfach unterwegs.

Ich laufe weiter am Strand entlang.

Die Weite bleibt.

II. Im Slot Canyon

Ich laufe durch eine steinerne Wüste. Die Sonne brennt.

Ich folge dem Kompass. Irgendwo muss der Eingang liegen. Die Wände werden höher, der Weg sandiger.

Ein schmaler Einschnitt. Ich trete ins Dunkel. Die Wände rücken näher zusammen. Die Hitze weicht, die Luft wird kühl, das Licht wird weniger.

Vor mir bewegt sich der Schatten eines Körpers, der sich durch schmale Spalten zwängt.

Meine Oberarme schrammen an den dunklen Flächen entlang. Im Schatten sitzen kleine schwarze Spinnen.

Ich bleibe stehen.

Everett verschwindet ins Dunkel.

Ich lege den Kopf in den Nacken. Weit oben ist der Himmel nur noch ein schmaler Streifen.

Dann drehe ich mich um.

Das Licht wird wieder heller.

III. In der Schlucht

Ich laufe durch die Schlucht. Jeder Schritt versinkt im Sand. Die Beine sind schwer.

Die roten Felsen weichen zurück, der Himmel wird weit.

Ich folge den Spuren im Sand und klettere auf einen Felsen. In den Stein geritzt: Nemo 1934.

Ich blicke in die Weite.

Der Sand verschluckt die Spuren, als sei niemand hier gewesen. Kein Geräusch, kein Wind.

Ich gehe weiter.

Eine Spur endet hier. Der Weg nicht.