Ich betrete den Lesesaal des Archivs.
Die Aufsichtsperson hinter der Theke lächelt mir freundlich zu.
„Sind Sie auch heute wieder da?“
„Ja, ich habe mir das Protokollbuch von 1627 noch einmal zur Einsicht bestellt. Ich habe noch nicht das gefunden, was ich suche.“
Sie tritt zum Regal hinter sich und reicht mir den schweren Lederband.
Ich suche mir zwischen den anderen Besuchern einen freien Schreibtisch. Ich lege die Halteblöcke zurecht, bette das Buch darauf und öffne es.
Staubpartikel flirren im künstlichen Licht der Schreibtischlampe. Ein Geruch von trockenem Papier, von Vanille und Staub, steigt von den Seiten auf.
Die Tinte ist schwarz.
Der Ort und das Datum wie gemalt.
Ein Zoll wird erhoben. Ein Streit geschlichtet. Ein Fest ausgerichtet.
Die letzten Worte: Kinder sterben.
Dann nichts.
Die nächsten Seiten leer.
Das Husten eines Sitznachbarn hallt durch den Raum.
Ich fröstele und ziehe mir meinen Pullover über das Shirt.
Ich habe gefunden, was ich suche.